..Fortsetzung: "Die Kraft im Kiez"
Usch Schmitz: Kraft hat bei einem Seminar in Regensburg den sehr bekannten buddhistisch - spiri tuellen Lehrmeister Thich Nhat Hanh kennen gelernt und wollte ihn unbedingt nach Berlin einladen. Im Umfeld dieser Idee wurden uns Fragen der Haftung und Organisation bewusst und wir gingen gemeinsam das Wagnis der Gründung einer Agentur ein - Kraft mit seinem Potential an Ideen, als Pressereferent und Kommunikator, und ich mit meinem backround im Bereich Büroorganisation und Administration. Im Juli 1999 wurde "Nirwana Events" gegründet. Die heutige Rechtsform ist eine GbR.

H.G.: Ein Unternehmen braucht mittel und langfristige Planung sowie klare betriebswirtschaftliche Kalkulationen. Wie wird das von Euch entwickelt? U.S.(lacht):
Aus dem Bauch raus! Wir haben zu Beginn am Business Plan Wettbewerb der Investitionsbank teilgenommen und das Konzept verschiedenen Banken vorgestellt. Den Bankern war zudem unser Projekt einer spirituellen Agentur suspekt. Trotz allem: In Sachen Organisation werden wir täglich besser.
H.G.: Noch einmal: Begriffe wie "Nirwana" und "Event" scheinen auf den ersten Blick nicht vereiinbar. "Event" klingt immer nach großer Inszenierung mit viel Geld. "Bigger than the biggest"...

K.W.: Nein, nein.. es ist etwas anderes gemeint. Zunächst vereinfacht zum Verständnis von Nirwana: "Glück ist die Freiheit von Vorstellungen" ist ein buddhistischer Leitsatz. Durch Übung - wenigstens sekundenweise - dem angestrebten Zustand vollkommenen Daseins (Nirwana) nahe zu kommen markiert den spirituellen Weg.

Diesen hochspirituellen Begriff mit einem vom "Business" besetzten Begriff wie "Event" zu koppeln war eine bewusst kalkulierte Frechheit. Wenn wir mit einem hochkarätigen spirituellen Lehrer wie Thich Nhat Hanh die Getsemane Kirche füllen ist das genauso "Eventkultur" wie die pompösen Veranstaltungen etwa von Daimler Chrysler. Wir reklamieren das Wort auch für unsere Projekte gegen die absolute Vereinnahmung durch den reinen Kommerz.

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Pressestimmen
Die Wahl des Wortes war zugleich eine bewusste Provokation des spirituellen Milieus, in dem geradezu eine "Geldphobie" herrscht. "Geld verunreinigt und verschmutzt die Seele!" Ab einem bestimmten Punkt von Komplexität braucht es aber ökonomische Formen. Warum sollen wir das Feld nur von den Anderen bestellen lassen!
H.G.: Wie geht es weiter mit Nirwana Events?

K.W.: Leider bereitet die Zukunft mir einigen Kummer. Die Finanzierung des Projektes "Geist und Kultur" neigt sich dem Ende. Wir machen noch einen flyer und zwei Events im Januar und dann ist Schluss. Soviel Ende war nie! Unsere Empfindungen sind sehr gemischt. Das zarte Pflänzchen "Geist und Kultur", das allmählich immer mehr InteressentInnen findet, droht zu vertrocknen. Ohne öffentliche Förderung geht es wohl nicht.
U.S.: Kraft reagiert angespannt auf diese Situation, ich sehe den Dingen gelassener entgegen.

K.W.: Ich würde gerne noch ein Stichwort ins Spiel bringen: "Renaissance des Wedding". Ich möche die spirituelle Seite, über die wir gesprochen haben, mit der lokalpatriotischen in Verbindung bringen: Seit dreißig Jahren lebe ich in diesem geliebten Kiez und ich mag viele seiner Menschen. Zum Abschluß unseres Projektes veranstalten wir ein kleines Fest für Alle, die sich aus Heimatliebe für den Kiez engagieren und einen Beitrag zur "Renassaince des Wedding" leisten wollen. Der Abschluss wird hoffentlich auch Signal eines neuen Aufbruchs sein!

H.G.: Usch Schmitz, Kraft Wetzel, wir danken für das Gespräch.