Buddha goes Business
Buddhas Lehren wurden bislang vor allem von Menschen gepriesen, die mit der Marktwirtschaft abgeschlossen hatten - gilt doch das Streben nach Besitz im Buddhismus als Fessel, die den Geist gefangen hält. Nun versucht ein Berliner Unternehmen, Meditationstechniken wirtschaftlich zu nutzen. "Nirwana Events" nennt sich die nach Aussage der Inhaber Kraft Wetzel, 47, und Usch Schmitz, 38, "erste deutsche Firma, die nach buddhistischen Prinzipien arbeitet". Als "Testlauf einer anderen Wirtschaftsweise" preist der ehemalige Filmkritiker Wetzel seine Firma, die ihre Gewinne "ohne Gier, Konkurrenz und Kampf erwirtschaften soll". Im April organisierten Wetzel und Schmitz das Filmfestival "Buddha-Vision", im Juni ein Podiumsgespräch zwischen der protestantischen Theologin Dorothee Sölle, 70, und dem buddhistischen Mönch Thich Nhat Hanh, 74. Schließlich gibt es laut Wetzel "in Deutschland ansonsten keinen Ort, an dem intelligent über Glaubensfragen diskutiert wird".
An hochfliegenden Plänen mangelt es nicht. Nach der Gründung einer Filmproduktion und eines Catering-Services soll sich das Projekt auf einen "buddhistisch inspirierten Volkskonzern" samt Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen ausweiten.


Wetzel, Schmitz

DER SPIEGEL, Nr.33/14.08.2000


Unser Leserbrief zum obigen Artikel

Spiegel-Verlag
Brandstwiete 19
20457 Hamburg

- Leserbriefe -

Berlin, den 23. August 2000..........

"Buddha goes Business"
SPIEGEL Nr. 33/14.8.2000, S. 101

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Bericht über unsere Firma NIRWANA EVENTS steht einiges, was unser junges Unternehmen in ein falsches Licht rückt. Bitte erlauben Sie uns deshalb im folgenden einige Richtigstellungen.

Wir wollen, schreiben Sie, buddhistische "Meditationstechniken wirtschaftlich nutzen": das klingt nach benutzen und ausnutzen, riecht ein bißchen nach Profitmache und Abzockerei. In Wahrheit bemühen wir uns, Räume zu schaffen, konkret: Firmen und Institutionen auf den Weg zu bringen, in denen Menschen ihrem Broterwerb endlich auch in Deutschland unter buddhistischen Bedingungen nachgehen können. Für uns heißt das vor allem, uns ständig in achtsamem, vorsichtigem, liebevollem Umgang mit uns selbst und den Mitarbeitern, den Partnern, den Besuchern unserer Veranstaltungen zu üben. Wir wollen Meditation also nicht "wirtschaftlich nutzen", sondern leben, also die aus ihr gewonnenen Einsichten endlich auch in unserem Berufsalltag praktizieren und ausleben.

Außerdem hat uns ein unglücklich gekürztes Zitat von Kraft Wetzel sehr gestört, das den Eindruck erweckt, es gäbe außer bei NIRWANA EVENTS-Veranstaltungen "in Deutschland ansonsten keinen Ort, an dem intelligent über Glaubensfragen diskutiert" würde. Das ist natürlich falsch. Wir kooperieren ja selbst mit einer Vielzahl von Institutionen, Akademien, Seminaren, in denen außerordentlich intelligent über Glaubensfragen diskutiert wird. Aber das findet faktisch "unter Ausschluß der Öffentlichkeit" statt, kommt in den Zeitungen, im Fernsehen kaum vor, geht nicht in den herrschenden Diskurs ein.

Diese Tatsache war für uns der Anlaß, vor einem Jahr unsere Firma zu gründen. Denn unseres Erachtens stellen die spirituellen und religiösen Traditionen ein Reservoir von Kräften dar; reaktiviert und gebündelt könnte aus ihnen ein Gegenentwurf, eine lebbare Alternative zum wildwuchernden Kapitalismus erwachsen, der dieser Tage unangefochten die gesellschaftliche Bühne beherrscht.

Zur Zeit sind diese spirituellen Energien jedoch noch zersplittert, häufig einander fremd, manchmal sogar feindselig. Wir möchten dazu beitragen, das wechselseitige Gewahrwerden und die Bündelung dieser Kräfte zu befördern. Deshalb präsentieren wir herausragende Persönlichkeiten der spirituellen Szene an besonderen Orten, in außergewöhnlichen Konstellationen - und dies stets so publikums- und medienwirksam wie nur möglich.

Aber hier bei NIRWANA EVENTS sind wir nur zu zweit. "Hochfliegende Pläne" können wir uns gar nicht leisten. Allerdings sind wir auch nicht bereit, uns von festen Erwartungen und Vorstellungen einengen und gängeln zu lassen. Wir brauchen keine Pläne, aber wir stehen zu unseren Visionen. Wir sehen tatsächlich die menschlichen und finanziellen Ressourcen für eine "New Spiritual Economy" vor uns. Aber wir sind nüchtern: Auch die schönste Utopie kann nur lebendig werden, wenn viele Individuen zusammenfinden und gemeinsam wirken.

Mit herzlichen Grüßen


Usch Schmitz & Kraft Wetzel,
NIRWANA EVENTS, Berlin

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