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Filmfestival »BuddhaVision 2000« in Berlin -
Auf der Spur von Missverständnis und Beeinflussung
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Buddhismus und Abendland
Von Tom Mustroph
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Seien wir ehrlich, Buddhismus und Film können einfach nicht zusammenpassen. Jeder, der im jugendlichen Alter im Banne von Hermann Hesses »Siddharta« oder anderer fernöstlich angehauchter Werke stand, weiß noch, dass Buddhismus als spirituelle Praxis sich weit über die sinnliche Hingabe ans Hier und Jetzt, und erst recht über seinen illusionistischen Abklatsch, erhebt. Trotzdem machen Buddhisten Filme. Und praktizierende Buddhisten wie Kraft Wetzel veranstalten Filmfestivals. Ihre Spiritualität wird dadurch offensichtlich nicht angekratzt. Wieder ein Klischee, das der Konfrontation mit der Realität nicht standhält. Obgleich es sich um ein Klischee handelt, das lange Zeit innerhalb der abendländischen Kultur wirkte. Denn im 12. Jahrhundert tauchte ein vermeintlich authentischer Brief auf, der von einer Gruppe Urchristen berichtete, die sich bereits vor der Teilung des Christentums in die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche in die unzugänglichen Höhen des Himalajas zurückgezogen hatte und dort eine Art Paradies in Reinkultur praktizierte. Heerscharen von Jesuiten machten sich auf den Weg und wurden Spezialisten der selbst für jesuitische Verhältnisse haarsträubenden Praxis, tibetische Rituale als originär christlich umzudeuten.
Einer, der bis zum Schluss auf Biegen und Brechen an dieser Geschichte festhielt, war übrigens Heinrich Himmler. Der oberste SS-Mann schickte 1938 eine Expedition ins Hochgebirge. Ein Filmteam der Ufa war mit dabei. Das Produkt, der 90-minütige Dokumentarfilm »Geheimnis Tibet« (1938/39, Regie Hans Albert Lettow), ist einer der interessantesten Beiträge des Festivals. Dävid Höller vom Zentralasien-Seminar der Humboldt-Universität wird bei der Vorführung zugegen sein und jedem die fehlgeleitete Mythisierung deutlich vor Augen führen. Ein weiterer Leckerbissen ist »Lost Horizon« von Frank Capra. Der ebenfalls 1939 fertig gestellte Spielfilm, dessen einzige europäische Kopie hier gezeigt wird, kreierte den Mythos von »Shangri-La«, jenem Hochgebirgstal, das als Ort höchster Weisheit und ewigen Friedens legendär wurde. Eher komisch ist, wie Uwe Ochsenknecht der Erleuchtung zugeführt wird. Aber Regisseurin Doris Dörrie meint den Filmtitel »Erleuchtung garantiert« durchaus ernst. Sie, die unter anderem den tibetischen Lehrer Sogyal Rinpoche und den vietnamesischen Zen-Mönch Thich Nhat Hanh aufsucht, wollte Ochsenknecht und dessen Filmpartner Gustav-Peter Wöhler eine authentische Klostererfahrung machen lassen und war selbst nur mit einer Digitalkamera dabei.
»Erleuchtung« wurde mittlerweile auch von der Werbeindustrie entdeckt.. Ein Foyergespräch zwischen Marketingexperten und Buddhisten versucht die Frage zu klären, ob und in welchem Maße Erleuchtung übertragbar, ja verkäuflich, ist. Insgesamt wendet sich das von der Akademie der Künste ausgerichtete Festival sowohl an die große buddhistische Gemeinde Berlins als auch an Cineasten und interkulturell Interessierte.
28-30. April in der Akademie der Künste,
Hanseatenweg. Berlin. Wiederholung 1.-10. Mai. Filmbühne am Steinplatz. In-formation und Vorbestellung bei Nirwana Events, Tel.: 46 50 71 39. Fax: 4650 71 49
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erschienen in NEUES DEUTSCHLAND, Mittwoch, 26. 04. 2000
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