Ende April schließt das Filmkunsthaus Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz seine Pforten - doch zum Glück nur vorübergehend: Im September soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, zunächst im neu erbauten kleinen Kinosaal, dann, ein paar Monate später, auch im denkmalgerecht restaurierten großen Saal mit 450 Plätzen. Der klassische Hans-Poelzig-Bau aus dem Jahr 1929 wird endlich in altem, neuen Glanz erstrahlen.
Zum Abschied stellt das Babylon unter anderem den venezolanischen Regisseur Franco de Pena vor, in dessen Arbeiten sich die Magie lateinamerikanischer Prosa mit dem sozialen Realismus des polnischen Kinos verbindet. Pena hat an der Filmhochschule Lodz studiert; zu sehen ist unter anderem das Essay "Die Zukunft einer Illusion" (1997), in dem der Regisseur die Bewohner einer ebenso morbiden wie poetischen Altstadtstraße Havannas beobachtet. Ein Film, der Lust auf mehr macht: Man darf gespannt sein, was der 1966 geborene Regisseur, der zurzeit als Gast des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin lebt, als Ergebnis seines Aufenthalts präsentieren wird. Ganz zu Ende geht das Babylon-Programm allerdings mit einem symbolischen Titel: "Die Nacht" (1960) von Michelangelo Antonioni.
Eine betrübliche Nachricht: Die für das Filmtheater Hackesche Höfe angekündigte Reihe mit Werken von Bernardo Bertolucci wurde wegen technischer Schwierigkeiten abgesagt. Sie soll jedoch im Herbst nachgeholt werden. Bertolucci ist ein Landsmann Antonionis; er stellte 1994 den Film "Kleiner Buddha" fertig, über den der Regisseur erklärte, er habe ihn drehen müssen, um die Leere auszufüllen, die mit dem Sturz des Kommunismus in ihm eingetreten sei: "Wenn man dreißig Jahre lang auf eine Zukunft hin lebt, und die Zukunft kracht mit einem Schlag zusammen, wenn da nichts mehr übrig ist- unerträglich. In dieser Zeit half mir der Buddhismus. Buddha sagte: Keine Götter mehr. Für ihn steht der Mensch im Zentrum - fast sowie bei Marx. Die Tibetaner haben mitgeholfen, mich wieder besser zu fühlen. Sie riechen nach den Bergen. Aber sie sind die Zukunft."
Wie sich andere westliche Regisseure dem Buddhismus nähern, ist diese Woche während der Filmreihe "Buddhavision 2000" zu erleben. Doris Dörrte fand nicht zuletzt durch die Begegnung mit einem vietnamesischen Zen-Mönch die Kraft, den plötzlichen Tod ihres Mannes zu bewältigen. Davon erzählt sie in "Augenblick" (1996), während sie in ihrer jüngsten Komödie "Erleuchtung garantiert" (1999) über den Einzug zweier grund-verschiedener bayerischer Brüder in ein Zen-Kloster fabuliert.
Ganz aktuell ist der Schweizer Film "Ein neuer Anfang", in dem Thomas Lüchinger eine Delegation von Mitgliedern aus sechzehn Nationen auf einer Reise zu den wieder aufgebauten chinesischen ZenKlöstern begleitet. Die Fahrt fand im Frühjahr 1999 statt, kurz nach der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad, und die aggressive antiwestliche Stimmung in China ließ Schlimmes befürchten. Der Film, so sein Regisseur, forscht nun "nach Bildern, welche die innere Teilnahme und die Suche nach der Öffnung beider Seiten zeigen": eine Studie über Humanismus und Toleranz.
Zu den Aufsehenerregenden Entdeckungen der "Buddhavision 2000" gehören auch zwei uralte Filme: "Geheimnis Tibet" (1939), eine Ufa-Produktion, mit der die Nazis die tibetische Kultur für sich zu instrumentalisieren suchten, und Frank Carpas "Der verlorene Horizont" (1939), die fantastische und abenteuerliche Vision eines Paradiesgartens mitten im Himalaya. Dieser Film ist durchaus ein suggestives, sentimentales Versprechen von Frieden und innerer Harmonie.