Böse Zungen behaupten ja, nicht Buddhist zu sein wäre bald ebenso "uncool" und modemufflig wie keine Tätowierungen vorweisen zu können. Unübersehbar ist der Trend zu der Fernostreligion jedenfalls schon seit Jahren im Kino, obwohl sich ernsthaft diskutieren ließe, ob Filmemachen überhaupt buddhistisch korrekt ist.
Das meinen zumindest die Organisatoren von "BuddhaVision 2000", einem Festival, das sich drei Tage lang in der Akademie der Künste der Erleuchtung via Zelluloid widmet. So gelangt mit "Ein neuer Anfang" ein abendfüllender Film über den - dem Vernehmen nach - berühmten buddhistischen Lehrer Thich Nhat Hanh zur deutschen Erstaufführung. Erstmals in Berlin läuft Doris Dörries "Augenblicke", in dem sie den Tod ihres Ehe- und Kameramannes Helge Weindler verarbeitete. Die Regisseurin, die als Schirmherrin des Festivals fungiert, zeigt im Anschluss ihre Komödie "Erleuchtung garantiert" (mit Gustav-Peter Wöhlert, Foto). Zu den historischen Raritäten gehören "Geheimnis Tibet", eine Ufa-Dokumentation über die deutsche Expedition, die Ende der dreißiger Jahre in das sagenumwobene Land startete, um dort Material zur Untermauerung der abstrusen Rasse- und Geschichtstheorien der Nazis aufzustöbern. Das genaue Gegenteil hatte hingegen Frank Capra im Sinn, als er fast zeitgleich in Hollywood James Hiltons "Lost Horizon" verfilmte, wo der entführte Außenminister Großbritanniens in einem abgelegenen Himalaya-Tal den Traum vom ewigen Frieden realisiert findet. Für tiefergehende Reflexionen sorgen nicht nur die Einführungen zu Filmvorführungen und Diskussionen danach, sondern auch die Stände, die buddhistische Gruppen und Initiativen im Akademie-Foyer aufschlagen wollen. Grüner Tee wird dazu kostenlos gereicht, und dieselben Filme sind ab 1. Mai noch einmal in der Filmbühne am Steinplatz zu sehen.