SCHAMANISCHES REISEN
Schamanische Methoden gehören zu den wahrscheinlich ältesten Techniken der Menschheit, um Probleme zu lösen. Sie sind in ihrer Grundlage identisch, sei es bei sibirischen, australischen, südamerikanischen oder finnischen Schamanen. Auch in Mitteleuropa war die schamanische Tradition einmal lebendig, sie ist im Verlauf der Inquisition aber fast ganz zum Erliegen gekommen.
Wir können schamanisches Wissen auf zweierlei Art für uns lebendig machen. Die eine ist die an unterschiedlichen Traditionen orientierte "folkloristische" Weise: mit Schwitzhüttenbau, Trancetänzen, Medizinrad, jahreszeitlich orientierten Opferritualen und vielen anderen Zeremonien - ein Zugang für alle, die an schamanischen Ritualen der verschiedenen Völker und Kulturen interessiert sind und sich gerne Zeit lassen (ein Jahr und noch viel mehr). Die andere Heran-gehensweise vertritt unter anderem Michael Harner, Anthropologe, Autor ("Der Weg des Schamanen") und Begründer der "Foundation for Schamanic Studies": Er vermittelt das Wissen in Crash-Kursen ("Wie man in fünf Tagen Schamane wird"). Ich neige ebenfalls zu diesem Stil, arbeite noch komprimierter - und bin bisher gut damit gefahren. Sie sollten allerdings keine Indianerspiele oder Einweihungen in die Geheimnisse der Naturvölker erwarten. Mir geht es in erster Linie darum, Ihnen zu zeigen, wie wir helfend und heilend in unserem Umfeld wirken und gleichzeitig an uns selbst arbeitend das eigene Potential entfalten können.
Nach einer kurzen Einführung am Freitagabend, werden Sie am Samstag und Sonntag die Grundtechniken des "Schamanischen Reisens" erlernen. Danach sind Sie im Prinzip in der Lage, alleine weiterzureisen. Betrachten Sie mich als einen Lehrer, der Ihnen Lesen beibringt. Sobald Sie es beherrschen, sind Sie in der Lage, sich selbständig und auf den verschiedensten Gebieten weiterzubilden. Es ist dann Ihre Sache, was Sie mit den Fertigkeiten anfangen, ob Sie nun - um im Bilde zu bleiben - den großen Brockhaus, die Bibel oder einfach nur Comics lesen.
Das Wesentliche ist, daß Sie lernen zu "reisen": ein rhythmischer Trommelschlag soll Sie in eine leichte "Trance" versetzen, in der und durch die Sie dann Kontakt mit anderen Realitäten aufnehmen können. (Eine Kassette liegt später für Sie zum Mitnehmen bereit). Um in eine andere Realität zu gelangen, brauchen Sie einen Einstieg, möglichst ein Loch, das tatsächlich existiert und das Sie einigermaßen visualisieren können: ein Brunnen im Taunus, eine Höhle auf Kreta, ein See in Frankreich oder ein hohler Baum im Garten Ihrer Kindheit ...
Das Loch sollte so beschaffen sein, daß Sie sein Ende nicht kennen, also nicht genau wissen, wie es dort unten weitergeht. Dieser Einstieg wird die "Nahtstelle" zwischen "hier" und "dort" und garantiert eine sichere Rückkehr. Sie können vorab schon einmal überlegen, ob Ihnen Entsprechendes einfällt. Oft jedoch, darauf möchte ich hinweisen, müssen mehrere Einstiegsmöglichkeiten probiert werden, bevor sich die richtige findet. Während der Reisen dann werden Sie Kontakt zu anderen Realitäten aufnehmen, wo Sie Wesen begegnen (Lehrer, Krafttiere u.ä.), die Ihnen freundschaftlich beistehen, wo Sie Rat und Hilfe erhalten oder selbständig arbeiten können.
Nach schamanischer Vorstellung ist die Welt mehrstöckig aufgebaut, d.h. es existieren mehrere Wirklichkeiten auf verschiedenen Ebenen. Als erstes reisen wir in die "Unterwelt". Diese Realität hat nichts mit irgendwelchen Vorstellungen von "Hölle" zu tun, sondern ist ein Zustand, in dem alles einen natürlichen Gang geht, ohne daß es Gut und Böse gibt: die Welt vor dem Sündenfall, wenn man so will. Dann reisen wir in die "Oberwelt", eine Realität, in der die Polarität überwunden ist. Während Sie in der Unterwelt praktische Hilfe erfahren können, erleben Sie in der Oberwelt Weisheit und Erholung. Neben diesen beiden genannten Realitätsebenen gibt es noch viele weitere.
Das erinnert Sie vielleicht an den Aufbau der menschlichen Psyche in Unterbewußtes, Bewußtes und Überbewußtes. Oft werde ich gefragt, ob die schamanischen Reisen nach "innen", also in das eigene Unbewußte gehen oder in andere Realitäten außerhalb von uns. Ich antworte darauf mit dem Satz: "Ich bin ein Teil des Universums, und das Universum ist ein Teil von mir."
Durch unsere Erziehung und den gesellschaftlichen Kontext, in dem wir uns bewegen, sind wir auf die Unterscheidung von "innen" und "außen" programmiert - für den Schamanen ist diese Unterscheidung bedeutungslos. Er reist sowohl zu fernen Gestirnen als auch in die eigene Seelenlandschaft, etwa um sich die Deutung einer Vision oder eines Traumes geben zu lassen. Er macht auch keinen Unterschied zwischen "Einbildung" und "Wahrnehmung", sondern fragt nur nach dem Ergebnis. Wird ein Kranker durch eine schamanische Heilung gesund, zählt nur das. Wie genau und warum es passiert? - mit solchen Fragen machen wir uns nur verrückt. Selbst wenn es "Einbildung" war, ist der Mensch nicht weniger gesund.
Dennoch: Schamanismus ist weder eine Religion noch ein verbindlicher Heilsweg. Sie können zu den höchsten Stufen der Erleuchtung gelangen, ohne je schamanisch gereist zu sein. Es gibt auch keine Lehren, die "geglaubt" werden müssen oder einen "Oberschamanen", der Autorität ausübt. Was gilt, ist die eigene Erfahrung.
Fragen Sie sich, ob sie das "Reisen" auch schaffen? Die Quote derer, die es im ersten Seminar lernen, liegt bei etwa 90%. Eine größere Gewißheit kann ich nicht bieten. Sollten Sie nicht aus eigenem Antrieb kommen wollen, sondern nur, weil Ihre Partnerin Sie dazu drängt oder um herauszufinden, ob Ihr Mann Sie betrügt (alles schon vorgekommen), dann können Sie an dieser Stelle Zeit und Geld sparen.
Vielleicht werden Sie kurz vor dem Seminar einen inneren Widerstand bis hin zu körperlichen Symptomen feststellen und sich plötzlich wünschen, Sie hätten sich nicht angemeldet oder das Seminar fiele aus: Das ist ein Zeichen dafür, daß Veränderungen bevorstehen - und ganz normal.
Zu Risiken und Nebenwirkungen:
Neben bestehender Verletzungsgefahr für liebgewordene Tabus habe ich bisher nur Brüche in fest gefügten Weltbildern beobachtet. In Einzelfällen ist es zu vorübergehenden Ausbrüchen von Albernheit gekommen, die aber nach dem Ende des Seminars rasch wieder abklangen. Bei gleichzeitigem Konsum von "esoterischer" Lektüre können Unverträglichkeiten (intellektuelle Trübung, fruchtlose Diskussionen, Schwindelgefühle etc.) auftreten. In Zweifelsfällen fragen Sie Ihren Guru, Astrologen, Therapeuten oder Computer!
Auf "Gutes Reisen" mit Ihnen freut sich
Thomas Dobrowolski